Wenn ich eine gebrauchte Spritzgießmaschine anschaue, denke ich immer an zwei Dinge: Produktionssicherheit und Überraschungen, die niemand bestellt hat. Damit Sie beim Kauf nicht auf „Wundertüte“ spielen, habe ich eine praktische Checkliste zusammengestellt – speziell für Verantwortliche in Produktion und Einkauf, die auf gebrauchte und überholte Kunststoffmaschinen setzen.
Und ja: Wenn es um DEMAG Second Hand geht, lohnt sich der Blick besonders – vorausgesetzt, man prüft richtig.
Warum eine Inspektions-Checkliste beim Kauf gebrauchter Spritzgießmaschinen Pflicht ist
Gebrauchte Maschinen können ein genialer Deal sein: schnelle Verfügbarkeit, gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, oft robuste Baujahre. Aber: Abnutzung, Wartungshistorie und „kreative“ Reparaturen sind manchmal unsichtbar – bis zur ersten Schicht am Montagmorgen.
Mit dieser Liste prüfe ich (fast) alles, was später über OEE, Ausschuss und Nerven entscheidet. Ziel: Risiken senken, Inbetriebnahme beschleunigen und Budget schützen.
1) Schnecke, Zylinder & Plastifizieraggregat: Hier wird’s ernst
- Zustand von Schnecke und Zylinder: Ich achte auf Verschleiß durch Abrasion (gefüllte Materialien, Glasfaser) und Korrosion (aggressive Additive).
Verschleiß-Signale: instabile Dosierzeiten, schwankendes Schussgewicht, erhöhter Rückstrom. - Rückstromsperre (Non-Return Valve): Wenn die müde ist, wird’s ungenau.
Hinweis: Unsaubere Teilegewichte und Nachdruckprobleme können hier ihren Ursprung haben. - Heizbänder & Thermofühler: Ich prüfe, ob alle Zonen stabil regeln, keine Fehlermeldungen auftreten und ob die Verkabelung sauber ist.
- Düse & Düsensitz: Leckage, Abdrücke, Riefen oder „Kunststoff-Kunstwerke“ an der Düse sind ein Alarmsignal.
Fragen an den Anbieter: Welche Materialien liefen zuletzt? GF-Anteil? Flammhemmend? Rezyklat? Wurden Schnecke/Zylinder schon einmal erneuert oder vermessen?
2) Schließeinheit: Parallelität, Führung und „Bitte keine Überraschungen“
- Holme und Buchsen: Ich schaue nach Riefen, Pitting, ungleichmäßiger Abnutzung und prüfe Schmierung. Unsaubere Holme können teuer werden – und zwar schnell.
- Plattenparallelität: Wenn die nicht stimmt, leidet das Werkzeug – und das ist selten billig.
Verschleiß-Signale: ungewöhnliche Werkzeugabdrücke, einseitiger Grat, erhöhte Werkzeugtemperatur. - Kniehebel/Schließzylinder: Spiel, Geräusche, unruhiger Bewegungsablauf? Ich höre genau hin – Maschinen sprechen, man muss nur zuhören.
- Auswerfer: Leichtgängigkeit, Endlagen, Dichtheit – und ob Sensorik/Signale plausibel sind.
Fragen an den Anbieter: Gab es Werkzeugbruch? Wurden Holme vermessen? Gibt es Protokolle zur Schließkraftkalibrierung?
3) Hydraulik: Dichtungen, Pumpen, Öl – die Klassiker
Hydraulik ist wie Kaffee in der Früh: Wenn sie gut ist, merkt man’s kaum. Wenn sie schlecht ist, merkt man’s sofort.
- Ölleckagen: Ich suche gezielt nach Schwitzen an Verschraubungen, Schlauchübergängen, Ventilblöcken und Zylindern.
Verschleiß-Signale: Ölfilm, tropfende Stellen, verschmutzte Aggregatwanne. - Pumpen & Motoren: Geräusche, Vibration, Temperatur. Eine Pumpe, die „singt“, singt selten aus Freude.
- Filter & Ölzustand: Ich checke Wartungsintervalle, Filteranzeigen und Ölqualität (Geruch, Farbe, Partikel).
- Ventile & Proportionaltechnik: Reaktionsverhalten, Druckstabilität, Wiederholgenauigkeit – besonders wichtig bei präzisen Teilen.
Fragen an den Anbieter: Wann war der letzte Ölwechsel? Gibt es Wartungsnachweise? Wurden Schläuche präventiv getauscht oder „bis zum Finale“ gefahren?
4) Steuerung & Elektrik: Der Unterschied zwischen „läuft“ und „läuft stabil“
- Bedienpanel/Display: Pixeldefekte, Touch-Aussetzer, schwammige Tasten – Kleinigkeiten, die im Alltag nerven.
- Fehlerspeicher & Alarme: Ich lasse mir zeigen, was in letzter Zeit an Fehlern auftrat. Das ist wie ein Blick ins Tagebuch der Maschine.
- Schaltschrank: Sauberkeit, Lüfter, Filtermatten, thermische Belastung, nachträgliche Verdrahtung („Kabelkunst“).
- Sensorik & Sicherheitssignale: Türkontakte, Lichtschranken (falls vorhanden), Not-Aus-Kette – alles muss nachvollziehbar funktionieren.
Fragen an den Anbieter: Ist die Software/Steuerung original? Gibt es Backups? Sind Handbücher und Schaltpläne vollständig? Bei DEMAG Second Hand ist die Dokumentation oft ein echter Mehrwert – wenn sie dabei ist.
5) Heizungen, Kühlung, Peripherie: Kleine Teile, große Wirkung
- Heizzonen stabil? Ich prüfe, ob alle Zonen sauber regeln und nicht übermäßig nachheizen.
- Kühlung: Wärmetauscher, Wasseranschlüsse, Durchfluss, Korrosion.
Warnsignal: Kalk, grünliche Ablagerungen, „feuchte“ Stellen an Anschlüssen. - Druckluft: Leckagen, Wartungseinheit, Kondensat. Druckluftprobleme sind oft versteckte Taktzeit-Killer.
- Optionen & Schnittstellen: Euromap/Roboter-Schnittstelle, Kernzüge, Heißkanalsteuerung – ich checke, ob alles wirklich funktioniert.
6) Toleranzen, Wiederholgenauigkeit & Testlauf: Ich will Zahlen sehen
Ein optisch guter Zustand ist nett – aber ich will Beweise. Ein Testlauf (ideal mit Referenzteil) ist Gold wert.
- Dosierzeit & Zyklusstabilität: schwankende Zeiten deuten auf Verschleiß oder Regelprobleme hin.
- Druck-/Wegverläufe: plausibel, reproduzierbar, ohne „Zacken“ und Ausreißer.
- Schließkraftaufbau: sauber, ohne Ruckeln, ohne auffällige Geräusche.
- Temperaturstabilität: über mehrere Zyklen stabil, nicht nur in Minute 1.
Profi-Tipp: Wenn möglich, immer ein paar Zyklen laufen lassen, bis alles thermisch stabil ist. Die Wahrheit kommt oft erst nach dem „Warmwerden“.
7) Dokumentation & Sicherheit: Ohne Papiere kein echtes Vertrauen
- CE-Konformität & Sicherheitskonzept: Ich prüfe, ob die Maschine den Anforderungen entspricht und keine Sicherheitseinrichtungen fehlen.
- Wartungsprotokolle: Jede nachvollziehbare Historie ist ein Pluspunkt.
- Ersatzteilverfügbarkeit: Gerade bei älteren Baujahren frage ich aktiv nach: Was ist kurzfristig lieferbar?
- Handbücher, Schaltpläne, Parameterlisten: Das spart später Tage – und graue Haare.
Fragen an den Anbieter: Gibt es Seriennummern-Nachweise? Wurde etwas umgebaut? Sind Sicherheitsfunktionen geprüft und dokumentiert?
Warnsignale: Wenn ich das sehe, werde ich hellhörig
- „Frisch überlackiert“ ohne plausible Erklärung (kann ok sein – kann aber auch kaschieren).
- Ungewöhnlich viel Ölnebel im Bereich Hydraulik/Schaltschrank.
- Schwankende Schussgewichte trotz stabiler Parameter.
- Viele provisorische Kabel, Lüsterklemmen, „wird schon halten“-Verdrahtung.
- Keine Dokumentation oder ausweichende Antworten („haben wir gerade nicht da“).
Die besten Fragen an den Lieferanten (ich stelle sie immer)
- Warum wird die Maschine verkauft?
- Welche Teile wurden zuletzt produziert (Material, Zyklus, Werkzeuggewicht)?
- Welche großen Reparaturen gab es in den letzten 24 Monaten?
- Welche Verschleißteile wurden erneuert (Schnecke, Rückstromsperre, Dichtungen, Pumpen, Heizbänder)?
- Gibt es einen Testlauf unter realistischen Bedingungen?
- Wie sieht es mit Garantie, Ersatzteilen und Service aus?
- Ist eine professionelle Überprüfung/Überholung vor Lieferung möglich?
Warum eine professionelle Prüfung vor Auslieferung alles einfacher macht
Ich sage es offen: Man kann Glück haben – oder man kann Risiken systematisch reduzieren. Genau hier kommt eine professionelle Überprüfung und Aufbereitung ins Spiel.
Bei UDO KRICHBAUM TRANSITUS liegt der Fokus auf gebrauchter und generalüberholter Industrieausrüstung für die Kunststoffverarbeitung, besonders Spritzgießtechnik. Der große Vorteil für mich als Käufer: Eine fachgerechte Revision und Instandsetzung vor der Auslieferung bedeutet weniger Stillstand, schnellere Inbetriebnahme und planbarere Produktion.
Gerade wenn Sie gezielt nach DEMAG Second Hand suchen, lohnt sich ein Partner, der Maschinen nicht nur verkauft, sondern auch prüft, einstellt und für den produktiven Einsatz vorbereitet. Denn am Ende zählt nicht der Kaufpreis allein, sondern die Frage: Wann läuft die Maschine stabil im Takt?